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10. Februar 2015

Über Freunde und Parfums fürs Leben.

Ich! Will! Lebenslang!

„Fürs Leben“. Eine Formulierung, die einem nicht so leicht über die Lippen kommt, fällt den Meisten dabei doch gleich das Thema Beziehung ein. Aber was im partnerschaftlichen Bund nicht immer funktioniert, nämlich „der Bund fürs Leben“, kann im Hinblick auf Düfte und Freundschaften sehr wohl gelingen.

Mein ältester Freund, zum Beispiel, stammt gar nicht aus Deutschland, sondern aus dem fernen Ägypten. Auf dem Gymnasium kursierten damals Flyer des International Youth Service (IYS), einer Agentur für weltweite Brieffreundschaften. Inspiriert durch Filme wie Cleopatra mit Liz Taylor, wollte ich unbedingt einen Brieffreund aus Ägypten. Wir schrieben uns viele Briefe via Luftpost, und irgendwann kam er zu Besuch nach Deutschland, ich glaube, wir waren damals 16. Natürlich war ich etwas enttäuscht ob des fehlenden Pharaonen-Kopfschmucks, aber dafür beherrschte er den Bauchtanz. Als Mann. Ich war beeindruckt. Das ist inzwischen 30 Jahre her, und der einstmals junge Ägypter, der im Wohnzimmer meiner Eltern tanzte, praktiziert inzwischen als erfolgreicher Herzchirurg in den USA. Auch wenn wir uns keine Luftpostbriefe mehr schicken, sondern Emails schreiben, so ist der Kontakt doch nie abgebrochen, und in diesem Jahr kommt er mal wieder zu Besuch.
Oder meine liebste Schulfreundin. Auch sie kenne ich bereits seit der fünften Klasse. Mit ihr erlebte ich die ersten Pyjamapartys mit Heimweh und Eierlikör, bis wir uns nach dem Abitur aus den Augen verloren. Durch das Internet fanden wir uns schließlich wieder. Wir haben uns verändert, wir wohnen mehrere Stunden voneinander entfernt, aber wir mögen uns immer noch genauso gern wie früher. Der gleiche Humor, das gleiche Gefühl der Vertrautheit und das Verständnis für den anderen sind immer noch so vorhanden, als würden wir uns jeden Tag sehen. Wir begleiten das Leben des anderen zwar zum großen Teil virtuell, aber wir begleiten es – mit hohem Potenzial „fürs Leben“.

Düfte und Erinnerungen

Und dann gibt es noch diese unverwechselbaren Gerüche, die uns ein Leben lang begleiten: Der Duft von Schokoladenpudding erinnert an die Kindheit, der Geruch von Mohnkuchen an die Großmutter und der Geruch von Seetang und Meer an den Sommerurlaub in Italien.

Freundschaften und Düfte fürs Leben.

Manche Düfte sind in unserer Erinnerung untrennbar mit bestimmten Menschen verbunden. Man erkennt sie an ihrem Parfum, noch bevor sie den Raum betreten, so wie die Vorstandssekretärin, die einst das Büro neben meinem hatte. Ihren Namen habe ich vergessen, aber an ihr Parfum erinnere ich mich: 24, Faubourg von HERMÈS. Sie trug nie ein anderes. Man wusste genau, wann sie die langen Flure entlang geeilt war, und der Duft schwebte noch lange im Raum, wenn sie schon längst fort war. Oder der Kollege, charakterlich und von der Statur her eher „Typ Teddybär“, der sich eisern mit Obsession for Men von Calvin Klein beduftete, was die Damenwelt um ihn herum zum Schmunzeln veranlasste. Er wurde dadurch zwar nicht zum leidenschaftlichen Objekt ihrer Begierde, aber wenn ich heute Obsession for Men rieche, muss ich an ihn denken.

Ich selber bin Parfums bisher nicht so treu wie meinen lebenslangen Freundschaften. Düfte begleiten mich oft lange, aber nicht lebenslang. Dafür sind sie für mich untrennbar mit bestimmten Lebensphasen verbunden: YSL Paris begleitete mich durch die romantischen Momente meiner 20er, während Romance von Ralph Lauren und Chance von Chanel meinen beruflichen Aufstieg in den 30ern olfaktorisch beschwingten. Aber Moment, gerade jetzt fällt mir auf, dass ich seit mehreren Jahren zwei Düften treu bin: Im Frühling und Sommer mag ich den frischen Duft von Acqua di Gioia von Armani. „Wasser der Freude“. Das finde ich auch namentlich ganz passend, befinde ich mich doch in der bisher glücklichsten Phase meines Lebens. Freud lässt grüßen. Nach „meinem“ Winterduft suchte ich besonders lange. Ich schnupperte und testete und sprühte, aber es wollte sich einfach kein „fürs Leben“-Gefühl einstellen. Dann fand ich diese Duftprobe in einer Frauenzeitschrift und erkannte mich wieder. Jetzt wärme ich mich im Winter geruchlich an Mon Jasmin Noir von Bvlgari und hoffe auf eine lebenslange Freundschaft.

Und während ich so schreibe, kommt mein Sohn ins Büro, kuschelt eine Runde mit mir, schnuppert an meinem Hals und sagt: „Mama, du riechst so schön nach Dir“. Mein persönlicher Duft und mein Sohn – zwei Begleiter fürs Leben.

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One Responses

  1. Kirsten Wick

    Ich finde es einfach so genial, dass Dein bester Freund aus Ägypten kommt! Wie ich Dir ja schon erzählt habe, habe ich dort 3 Jahre meines Lebens verbracht, die einfach unvergesslich waren, ich habe die aller schönsten Erinnerungen und tolle Freunde. Liebe Grüße, Kirsten

    http://www.thelifbissue.com

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