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6. Januar 2015

Neues Jahr, Neue Frisur?

Es gibt Erlebnisse, die prägen fürs Leben. Eines dieser Erlebnisse hatte ich im Alter von 17 Jahren. Ich trug mein Haar damals hüftlang, glatt und glänzend. Mein Haar war mein ganzer Stolz. Bis zu dem Tag, an dem ich eine Frauenzeitschrift aufschlug und mein Blick an einem Foto hängen blieb. Darauf rekelte sich ein Model mit langem, lockigem Haar. Ihre wunderschöne, groß gelockte Mähne wehte verträumt im Wind und für mich stand fest: genau so will ich aussehen. Ich will Locken!

Viele liebe Menschen versuchten damals, mir das auszureden, doch mein Entschluss stand fest: Ich möchte eine neue Frisur und ich gehe zum Friseur. Mit der Zeitschrift unterm Arm saß ich ein paar Tage später im Salon und erläuterte der Meisterin, wie ich mein Haar tragen möchte, nämlich etwas kürzer und mit großen Locken. Die Meisterin riet mir zur Dauerwelle, damit die Locken schön lange halten. Damit hätte ich auch weniger Arbeit, denn so eine Dauerwelle könne man ja lufttrocknen lassen und alles sähe dann topmodisch und lässig aus. Eben wie auf dem Foto.

Vielleicht hätte es mir zu denken geben sollen, dass die anderen Friseurinnen des Salons mir im Vorbeigehen zu zischten „tun Sie’s nicht!“ und „ich würde die nicht abschneiden“. Aber mit 17 steht man nicht einfach auf und geht wieder nach Hause, nachdem man sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hat. Lange Rede, kurzer Sinn: Nach zwei Stunden blickte ich mir aus dem Spiegel mit einer schulterlangen, kleingelockten Pudelfrisur entgegen. Heulend.

Meine Mutter rettete die Situation, indem sie mir zu Hause ihre Lockenwickler ins Haar drehte, und danach hatte ich immerhin die gewünschten großen Locken. Aber seitdem ist mein Vertrauen in Friseure irgendwie gestört.

Lockenpracht für 2015

Frisurenpsychologie

Heute gehe ich wieder regelmäßig zum Friseur, doch von meinen langen Haaren habe ich mich bisher nie wirklich getrennt. Das liegt natürlich auch daran, dass man sich mit der Zeit als einen bestimmten Typ sieht. Ich sehe mich als Langhaartyp. Dennoch komme ich so langsam ins Grübeln. Sehr viele Frauen lassen sich momentan nämlich die Haare kurz schneiden, und es steht ihnen ganz ausgezeichnet!

Was auffällt: Frauen schneiden sich die Haare ab oder wechseln die Haarfarbe, wenn sich irgendetwas im Privatleben ändert. Das kann zum Beispiel ein neuer Job oder eine beendete Beziehung sein. Mann weg, Haare ab! Mit der Entscheidung für eine Kurzhaarfrisur zeigt Frau Mut, Power und Selbstbewusstsein. Sie zeigt Gesicht! Das kann auch Vorteile haben. Frauen mit kurzen Haaren oder streng zurückgebundenen langen Haaren werden im Job eher männliche Charaktereigenschaften zugeschrieben, wie Durchsetzungsvermögen, Sachlichkeit und Konzentration aufs Wesentliche.

Gerade erst las ich in einer Frauenzeitschrift das Statement eines Mannes zum Thema „Frauen mit Kurzhaarfrisur“. Für ihn signalisieren Frauen mit kurzen Haaren Abenteuerlust und ein „Ich will nicht niedlich sein“. Wobei das natürlich Quatsch ist. Michelle Williams hat auch kurze Haare und ist niedlich, und erst eine Ginnifer Goodwin! Beiden steht der Pixie-Cut hervorragend und beide sehen damit sehr weiblich aus.

Kennen Sie die Fernsehserie „House of Cards“? Der Stil von Robin Wright in dieser Serie ist einfach umwerfend. Die Kleidung, die Kurzhaarfrisur – alles absolut stimmig, sehr reduziert, aber dennoch von erstaunlicher Ausstrahlung. Wollte ich mich mal komplett verändern – so würde ich aussehen wollen! Sollte ich also vielleicht doch… Ich bin hin und her gerissen. Kurzhaarschnitt? Langes Haar? Oder vielleicht irgendetwas dazwischen? Ein Bob vielleicht?

Doch dann fällt mir wieder ein, was ich an langem Haar so liebe: Ich kann mit meiner Frisur spielen, mich „verwandeln“ – das ist wie schauspielern im wahren Leben: Wenn ich mein langes Haar zum strengen Dutt oder straffen Zopf frisiere, bin ich die toughe Businessfrau. Sachlich, kühl, strategisch. Habe ich abends ein Rendezvous mit meinem Mann, trage ich mein Haar offen und verwandle mich im Handumdrehen  in eine Femme fatale à la Monica Bellucci. Können Sie sich eine Monica Bellucci mit Kurzhaarschnitt vorstellen? Ich nicht.

Sie merken, ich bin keinen Schritt weiter. Ich lasse jetzt meinen 5-jährigen Sohn entscheiden, ob ich mir die Haare kurz schneiden soll. Entsetzt sieht er mich an:

„Aber Mama, das geht nicht. Ich habe eben den Spiegel der bösen Stiefmutter von Schneewittchen gefragt, wer die Schönste im ganzen Land ist. Er hat gesagt, du bist die Schönste hier! Du darfst dir die Haare also nicht abschneiden!“

Frage geklärt!

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